Academy e.V.

 

 

 

 

 

 

Berliner Zeitung: Mathe macht wirklich Spaß

Mathe ist eben relativ. Die Aufgabe mit den Quadraten etwa, sagt der zehnjährige Ayman El Allaf, "die war schwierig". "Quatsch", sagt sein Klassenkamerad Michael Beitzer.

"Die war doch pippileicht." Schwierig sei was ganz anderes gewesen, nämlich diese Reihe von Quadratzahlen herauszufinden. Das findet nun Ayman wiederum überhaupt nicht. Aber in einem anderen Punkt sind sich die beiden Fünftklässler einig: "Mathe", sagen sie, "macht wirklich Spaß."

Anika Hoegen, die Mathematiklehrerin der beiden, hört das sichtlich gerne. Sie ist mit ihren Schülern am Sonnabend extra aus Remscheid nach Berlin gekommen, damit die Jungen am Finale des bundesweiten Pangea-Mathe-Wettbewerbs teilnehmen können. 10 000 Kinder von der vierten bis zur siebten Klasse hatten bei der Vorrunde mitgemacht. 100 treten nun beim Finale im Audimax der Technischen Universität an.

 

Am Vormittag müssen sie schriftliche Aufgaben rechnen. Nachmittags messen sich die besten acht jedes Jahrgangs in der Endrunde. Und die hat es in sich: Auf der Bühne im Audimax sitzen die Finalisten hinter weißen Pulten und müssen vor dem gespannten Publikum jeweils vier Aufgaben lösen - Flächen berechnen, Wurzeln ziehen, Formeln anwenden. Pro Aufgabe haben sie eine Minute Zeit. Dazwischen gibt es ein buntes Programm mit Zaubershow und Vorträgen, etwa darüber, was Mathe mit Spezialeffekten in Filmen zu tun hat.

Die Teilnehmer wurden von ihren Schulen, privaten Bildungsinstituten oder einfach von ihren Eltern zum Wettbewerb angemeldet. Organisiert wird er von Academy, einem Bildungsverein in Frankfurt am Main. Academy wurde von Migranten gegründet und will vor allem Einwandererkinder fördern. Etwa die Hälfte der Kinder im Pangea-Finale kommt aus Migrantenfamilien, darunter viele Türken. Ihre Eltern fiebern im Publikum mit. Auch Mütter, die Kopftuch tragen und kaum Deutsch können, sind da. Einige sind durch die halbe Republik gereist, damit ihr Kind hier zeigt, was es kann. Wer dachte, Migrantenfamilien hätten kein Interesse an der Bildung ihrer Kinder, wird eines Besseren belehrt.

Pangea will aber kein Migrantenwettbewerb sein, er steht allen offen. Mathematik verbindet, heißt es an diesem Tag immer wieder. In der Wissenschaft sei jeder willkommen, "egal weder Nationalität", ruft der Berliner Mathematik-Professor Konrad Polthier vom Forschungszentrum Matheon den Schülern zu. Das Zentrum, an dem die drei Berliner Universitäten beteiligt sind, unterstützt Pangea. Mathematiker seien auf dem Arbeitsmarkt immer gefragt, sagt Polthier. Dann zeigt er den Kindern, was Mathe alles kann: 3D-Weihnachtsbaum-Bilder erschaffen oder auch virtuelle Monster wie im Film "Herr der Ringe".

Für den Wettbewerb spielen Nationalitäten ohnehin keine Rolle. Hier sind Rechenkenntnisse gefragt, logisches Denken, auch die Fähigkeit, gut zu schätzen. "Wir wollen keine Genies heraussieben, sondern alle Schüler ansprechen", sagt Taner Ünal von Academy. Die Aufgaben sind dennoch anspruchsvoll. Für schwächere Schüler könnte das frustrierend sein, sagt Christine Haupt, Mathelehrerin am Tüdesb-Privatgymnasium in Spandau. Für leistungsstarke Schüler sei so ein Wettbewerb aber ein toller Ansporn.

Nicolas Nessel aus Dallgow ist so ein Schüler. Der neunjährige Blondschopf gewinnt das Finale der Viertklässler. Um 17.30 Uhr, nach einem ganzen Tag Mathe, steht er mit den anderen Kindern auf der Bühne im Konfetti-Regen und bekommt eine Urkunde plus ein Spiel. Er hat auch schon beim Känguru-Wettbewerb und bei der Schulolympiade einen ersten Platz belegt. "Es ist toll, dass er sich hier mit anderen messen kann", findet seine Mutter Birgit Mählitz. Er sei aufgeregt gewesen, sagt Nicolas, weil er vor Publikum rechnen musste. Aber alles andere war kein Problem. "Die Aufgaben waren eigentlich ganz leicht", sagt er. Mathe ist eben relativ.

 

Superkontinent als Namen

Der Pangea-Wettbewerb soll das Interesse und die Freude an Mathematik fördern. Rund 10000 Schüler in 80 deutschen Städten nahmen in diesem Jahr daran teil. Hundert qualifizierten sich fürs Finale in Berlin. Pangea gibt es seit 2007.

 

Organisiert wird Pangea von Academy - Verein für Bildungsberatung.

 

Der Name verweist auf den Superkontinent Pangea, der später in die fünf bekannten Kontinente zerfiel. Der Wettbewerb soll die Völkerverständigung fördern.

 

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Grafik: Beispielaufgaben aus dem Finale

 

Foto: Auch bei 3D-Bildern spielt Mathe eine Rolle, lernten die Pangea-Finalisten.

 

 

 

Iris Brennberger - Berlin

 

 

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