Projekt: Virtual Learning Environment for Rational Drug Use (VLE-RADUS)
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- Erstellt am Freitag, 11 Juni 2010 21:07
Hirndoping statt Chancengleichheit
Mittlerweile hat sich der Trend aus den Chefetagen der Wirtschaftsunternehmen zu den Universitäten verlagert. Derzeit breitet er sich auch schon in der Lehrerschaft unserer Schulen aus und es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch eine größere Anzahl Schüler einsteigt. Zunehmender Druck und Stress bei den sich überfordert fühlenden Lehrern, erhöhte Leistungsanforderungen durch das Schulsystem wie auch überzogene Erwartungen mancher Eltern an ihre Kinder bilden den besten Nährboden für Bemühungen, die eigene Hirnleistung durch Einnahme von Medikamenten zu verbessern.
Die früher existierenden Beschaffungsprobleme sind keine Hürde mehr, seit Online-Apotheken nahezu alles liefern können und viele Ärzte keine Skrupel haben, entsprechende Privatrezepte auszustellen, die sich der Kontrolle durch die Krankenkassen entziehen. Und an Informationen, welche Medikamente besonders wirksam sind, herrscht im Internet kein Mangel. Wer daran zweifelt, sollte sich einmal in die sozialen Netzwerke einwählen.
Im Leistungssport ist Doping als Muskelbildner und Aufputschmittel geächtet. Nach zahlreichen Skandalen wird die Einhaltung der Verbote zumindest bei den größeren öffentlichen Sportveranstaltungen überwacht und jede Zuwiderhandlung streng geahndet.

Bei Gehirndoping verhalten sich deutsche Behörden jedoch, als sei dies reine Privatsache. Kontrollen außerhalb des Leistungssports gibt es lediglich vereinzelt in besonders verantwortungsvollen Positionen oder bei Kraftfahrern, deren Sinne ohne Einfluss von Alkohol erkennbar vernebelt sind, obwohl sie keinen Alkohol getrunken haben – was in der Regel auf die Einnahme von Drogen zurückzuführen ist, zu denen auch verschiedene Medikamente gehören.
Hauptmotiv für Dopingkontrollen beim Leistungssport ist angesichts der hochbezahlten Werbeverträge, Sponsoren- und Fördergelder die Sorge vor einem Imageverlust der Geldgeber einerseits und die Chancengleichheit andererseits – wenngleich viel edlere Beweggründe wie Gesundheitsschutz und Vorbildfunktion vorgeschoben werden. Für die Durchsetzung gleicher Chancen auch im Bildungsbereich fehlen dagegen die Anreize. Wie viele Schüler oder Studenten vor wichtigen Arbeiten oder Prüfungen unter dem Einfluss von Medikamenten stehen, ist völlig unbekannt. Wissenschaftliche Untersuchungen werden in Deutschland nicht durchgeführt oder unter Verschluss gehalten, denn Meldungen, die deren Eltern beunruhigen, sind politisch unerwünscht und zwingen in der Folge zu Handlungen, die mit Arbeit und Geldausgeben verbunden sind.
Dass jene Schüler oder Studenten, deren Klassenkameraden oder Kommilitonen Medikamente zur Leistungs- und Gedächtnissteigerung verwenden, sich bei Prüfungen benachteiligt fühlen, ist allzu verständlich. Ihr Verlangen um gleiche Ausgangsbedingungen führt nicht zur Ächtung dieser Drogen, sondern zu deren stärkeren Verbreitung und Anwendung solcher Mittel. Dennoch wird seitens der Kultusministerien und Schulbehörden einfach so getan, als würde dieses Problem nicht existieren – weder heute noch in Zukunft. Dass in den USA schon jeder vierte Student bei Prüfungen unter Medikamenteneinfluss steht, scheint irrelevant.
Es besteht Handlungsbedarf! Vorschläge von Academy e. V.:
- Berichte über Gehirndoping, die dessen Wirksamkeit und Anwendung verbreiteten, können eine Zunahme der Erstanwender zur Folge haben – besonders dann, wenn nicht deutlich genug auf die damit verbundenen Gefahren hingewiesen wird. In Zusammenarbeit mit Fachmedizinern wird sich Academy um verschiedene Formen der Aufklärung bemühen, insbesondere bei Schülern und im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen auch bei Lehrern.
- Der pharmazeutischen Industrie wird ein großes Interesse unterstellt, den Gehirndoping-Trend zur Umsatzsteigerung schon in der Anfangsphase nicht nur auszunutzen, sondern zwecks Erschließung neuer Märkte anzuheizen. Academy wird sich mit den Herstellern der Medikamente auseinandersetzen, um über Präventionsmaßnahmen nachzudenken: Niemand sollte hinterher behaupten, er hätte das Problem nicht früh genug erkannt.
- Die Probleme beschränken sich nicht allein auf Deutschland. Lösungen sollten sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene angestrebt werden. So ist Academy Partner eines EU-geförderten Projekts, der in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Institutionen durchgeführt wird. Dieses Projekt (VIRTUAL LEARNING ENVIRONMENT FOR RATIONAL DRUG USE (VLE-RADUS)) beschäftigt sich in erster Linie mit den oben erwähnten Lösungsvorschlägen. Diese sollen in den Teilnehmerländern optimiert und verbreitet werden. So auch in Deutschland.
- Bei dem VLE-RADUS-Projekt handelt es sich um ein Innovationstransfer-Projekt im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen (PLL).
- Die Projektpartner des VIRTUAL LEARNING ENVIRONMENT FOR RATIONAL DRUG USE (VLE-RADUS)-Projektes sind:
Refik Saydam Zentrum für Gesundheit (Ministerium für Gesundheit der Republik Türkei)
Hacettepe Universität (Türkei)
Gesundheitsamt Ankara (Türkei)
University of Sheffield (Großbritannien)
MILLENNIUM Training Ltd, um (UNGARN)

